Stadtkämmerer und Sparfuchs von Oberhausen

„Apostolos Tsalastras, Stadtkämmerer und Sparfuchs von Oberhausen“, heißt es in der Berliner Zeitung. Diese wollte vom Tsalastras wissen, wie er zum Referendum in Griechenland stehe.

„Am Sonntag würde ich mit Ja stimmen“, sagte Apostolos Tsalastras der Zeitung, „nur damit weiterverhandelt wird“. Dabei habe der 50-Jährige mit der Gianis-Varoufakis-Glatze zuvor erklärt, dass das Referendum, mit dem die griechische Regierung über das EU-Sparpaket votieren lässt, eine Farce sei. „Aber Tsalastras stimmt nicht mit ab, er ist ja kein Grieche“, stellt die Berliner Zeitung fest. „Zwar sind seine Eltern Anfang der 60er als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Aber er ist in Hilden im Rheinland geboren, spricht seit jeher besser Deutsch als Griechisch, studierte in Köln Volkswirtschaft.“

Mit Sparprogrammen und Schuldenhaushalten kenne er sich aus. „Seit 2011 ist der Sozialdemokrat Tsalastras Stadtkämmerer von Oberhausen. Als er die Finanzen im Rathaus übernahm, war die Kommune ein Krisenfall: Geplagt von Arbeitslosigkeit und industriellem Niedergang war sie die höchstverschuldete deutsche Stadt, musste jedes Jahr 100 bis 150 Millionen Euro neue Schulden aufnehmen. In diesem Jahr waren es noch 20 Millionen, im übernächsten soll der Haushalt ausgeglichen sein“, schreibt Redakteur Steven Geyer. „Das ist vor allem Apostolos Tsalastras Werk.“

Der Weg dahin sei kein leichter gewesen. Er habe dazu zwar Landeshilfen genutzt, die die rot-grüne Regierung in Nordrhein-Westfalen einführte. „Vor allem aber setzte auch er ein hartes Sparprogramm durch: Stellenkürzungen in der Verwaltung, Schließung von Schwimmbädern und Sportstätten; dazu Verkauf städtischer Grundstücke.“ Er habe auch Steuererhöhungen einführt, von der Vergnügungs- bis zur Gewerbesteuer, sogar eine sogenannte Sexsteuer gebe es jetzt.

„Doch seine zweite, griechische Heimat, wo er Verwandte und Freunde hat, konnte sich in derselben Zeit eben nicht berappeln“, so die Berliner Zeitung. „EU und Griechen“, sagt Tsalastras, „beide Seiten machten alles falsch, was man falsch machen konnte.“ Schon die Einführung des Euro hätte man mit der strikten Auflage verbinden müssen, endlich einen funktionierenden Staat aufzubauen. „Viele Griechen hatten genau diese Hoffnung.“

In Oberhausen stehe Apostolos Tsalastras jetzt vor seiner nächsten Herausforderung: Im September werde er bei der Direktwahl des Oberbürgermeisters antreten. „Es könnte sein, dass Tsalastras dann der erste Bürgermeister einer deutschen Großstadt mit ausländischen Eltern wird. Spätestens dann wird man wieder von ihm hören“, ist die Berliner Zeitung überzeugt.