Interview mit Apostolos Tsalastras: Posto packt’s an

Für OB-Kandidat Tsalastras stehen soziale Gerechtigkeit, solide Finanzen und Wirtschaftsförderung ganz vorn. Im Interview mit Der Oberhausener erzählt er von seinen Zielen und Ideen.

Warum wollen Sie Oberbürgermeister werden?

tsalastras0Weil Oberhausen eine tolle Stadt mit tollen Menschen ist. Ihnen und unserer Stadt will ich neue Perspektiven eröffnen. Dabei stehen drei Bereiche ganz vorn, soziale Gerechtigkeit, solide Finanzen und dynamische Wirtschaftsentwicklung.

Wie wollen Sie dies erreichen?

Soziale Gerechtigkeit fängt mit gleichen Bildungschancen für alle Kinder an. Ich werde ein Zukunftsinvestitionsprogramm Bildung auf den Weg bringen. Wir müssen unsere Schulen modernisieren und für eine zeitgemäße Computerausstattung mit kostenfreiem WLAN sorgen. In die Kindertageseinrichtungen muss mehr investiert und das Angebot an Sportstätten weiter verbessert werden. Hierzu habe ich konkrete Vorschläge unterbreitet, die ich nun mit den Betroffenen diskutiere.

Und was passiert mit den jungen Menschen nach ihrem Schulabschluss?

Alle Jugendlichen brauchen eine berufliche Perspektive. Hier ist vor allem die Wirtschaft in der Pflicht. Viele, vor allem Handwerksbetriebe, bilden aus, aber viele Unternehmen entziehen sich dieser Verantwortung. Dass kann so nicht weiter gehen. Deshalb wird die Stadt ein Jugendbündnishaus einrichten, um die Unterstützungsangebote für Jugendliche zu bündeln und dabei eng mit der Arbeitsagentur und den Trägern zusammen arbeiten. Außerdem möchte ich gemeinsam mit der Arbeitsagentur den Unternehmen helfen, erfolgreich auszubilden.

tsalastras2Solche Maßnahmen kosten Geld. Kann Oberhausen sich dies leisten?

Oberhausen muss sich dies leisten – aus Verantwortung den jungen Leuten gegenüber und weil Arbeitslosigkeit auf Dauer viel teurer ist. Ich habe in meinen vier Amtsjahren als Kämmerer dafür gesorgt, dass die Neuverschuldung von zuvor 117 Millionen Euro auf unter 20 Millionen Euro in diesem Jahr gesenkt wurde und wir ab 2017 keine neuen Kredite benötigen werden. Damit habe ich ermöglicht, dass Oberhausen finanziell wieder Handlungsspielräume gewinnt, um in Kinder, Jugendliche und deren Ausbildung zu investieren.

Welche Bedeutung hat die Entwicklung der Stadtteile?

Eine sehr große. Was in den Stadtteilen von Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Verbänden mit großem Engagement auf die Beine gestellt wird ist unbezahlbar.

Es entstand der Eindruck dass die Stadtentwicklung in städtischen Töchtern entschieden wurde.

Das darf nicht sein. Bei mir ist Stadtentwicklung Chefsache.

Gehört dazu auch die wirtschaftliche Entwicklung?

Ja. Besonders die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Wo muss da angepackt werden?

Große Chancen für neue Arbeitsplätze sehe ich in der Verbindung von Stadtentwicklung, digitaler Wirtschaft und Klimaschutz.

Was bringen Sie mit, um die Arbeit als Oberbürgermeister anpacken zu können?

tsalastras3Als Volkswirt kenne ich die Zusammenhänge zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und sozialer Gerechtigkeit sehr gut. Ich habe in Oberhausen für Heinz Schleußer gearbeitet und hautnah miterlebt, wie der Strukturwandel in unserer Stadt gestaltet wurde und wie hart die Menschen dafür gearbeitet haben. Später war ich bei der Arbeiterwohlfahrt tätig. Dort habe ich die Bedeutung des Engagements für soziale Gerechtigkeit kennengelernt. Vor zwölf Jahren wurde ich hier das erste Mal zum Dezernenten gewählt. Seitdem bin ich in der Stadtverwaltung für viele unterschiedliche Bereiche zuständig: für Soziales, Jugend, Sport, Kultur und Finanzen. Deshalb weiß ich sehr genau, wie das Rathaus funktioniert und wo und wie ich anpacken muss.

Kommen wir nochmal zurück zur Stadtteilentwicklung. Was wird sich in Sterkrade tun?

Gerade wurde das neue Stadtteilbüro eröffnet, bald wird die neue Stadtbibliothek eingeweiht und der alte „Kaiser und Ganz“-Bau wird durch ein neues Wohn- und Geschäftshaus ersetzt. Außerdem wird das Innenstadthaus umfassend modernisiert. Ich werde mich auch darum kümmern, dass rund um die Zeche Sterkrade ein attraktives Wohnviertel entsteht und neues Gewerbe angesiedelt werden kann.

Und der Centerpoint?

Hier darf es keinen Ankauf um jeden Preis geben.

Was passiert in Osterfeld?

Es tut sich viel in Osterfeld. Die Baumaßnahme am Markt steht kurz vor der Fertigstellung, der Bunker ist abgerissen und der Bau des Supermarktes wird bald beginnen. An der Rheinischen Straße werden aktuell Häuser für junge Familien errichtet.

Was ist mit dem geplanten Reha-Zentrum auf dem Gelände des ehemaligen Hallenbades Osterfeld?

Hier kann jeder Zeit mit dem Bau begonnen werden. Die Stadt hat die Voraussetzungen geschaffen, der Investor ist am Zug.

Und wie geht es in Osterfeld weiter?

Gemeinsam mit Landesbauminister Mike Groschek habe ich erreicht, dass Osterfeld im Rahmen des groß angelegten NRW-Vorhabens „Soziale Stadt“ von Investitionen in Höhe von 10 Millionen Euro profitieren wird. Damit wird es möglich, die Jugendarbeit im Stadtteil zu verbessern, den Revierpark zu stärken und den Schandfleck „Schuhhaus Erwig“ zu beseitigen.

Und in Alt-Oberhausen …

tsalastras5… wird an der Marktstraße ein neues Bürogebäude errichtet – auch um die Innenstadt in Alt-Oberhausen mehr zu beleben. Wir bauen ein neues Jugendzentrum in der Innenstadt, um jungen Menschen mehr anbieten zu können, wir fördern die Kreativwirtschaft im Bahnhofsturm sowie in der Innenstadt. Zudem führe ich konkrete Gespräche mit dem Land, um das Finanzamt in Alt Oberhausen zu erhalten. Mein Ziel für die Zukunft ist ein städtebaulicher Brückenschlag von Altenberg über den Bahnhof bis zum Friedensplatz. Hieraus würden sich Perspektiven für die Stadtentwicklung und für neue Arbeitsplätze ergeben. Dazu gehört auch schnelles Internet für alle Stadtteile.

Wie wichtig ist das für zukunftsorientierte Arbeitsplätze in der digitalen Wirtschaft?

Nicht nur für die digitale Wirtschaft sondern für alle Unternehmen sind schnelle Internetverbindungen unverzichtbar. Den Ausbau des schnellen Netzes treibe ich hier seit langem voran – in den Stadtteilen und für die Gewerbegebiete. Bis Ende 2017 wird ganz Oberhausen mit schnellem Internet versorgt sein.

Sind bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze „Arbeit und Umwelt“ Gegensätze?

Nein, im Gegenteil. So möchte ich zusammen mit der „Innovation City Ruhr“ die energetische Sanierung eines Stadtteils auf den Weg bringen. Auch dies sind wichtige Aufträge für unsere Handwerksbetriebe, die Arbeitsplätze sichern.

Was waren ihre größten Erfolge bei der Arbeit für Oberhausen?

Viel Zustimmung hatte ich für das Programm gefunden, mit dem unsere Sportstätten umfangreich modernisiert wurden. Stolz bin ich auf die lebendige Kulturlandschaft mit dem guten Zusammenspiel städtischer und freier Angebote. Herausheben möchte ich die enge und konstruktive Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden, die von besonderer sozialer Verantwortung geprägt ist. Ein toller Erfolg ist es, dass ich in meinen vier Amtsjahren als Kämmerer die Neuverschuldung von zuvor 117 Millionen auf momentan nur noch 20 Millionen Euro reduzieren konnte. Dadurch hat Oberhausen die sehnlich vermisste Handlungsfähigkeit zurückgewonnen. Wir können jetzt wieder eigenständig entscheiden, wo wir zum Wohle der Stadt und der Menschen investieren wollen.

Sie sind auch überregional politisch aktiv. Hilft das unserer Stadt?

Ja. Es ist wichtig, dass Oberhausen auch in Düsseldorf und Berlin gehört wird. Gemeinsam mit den Kollegen einiger Nachbarstädte setze ich mich dort für eine bessere Finanzausstattung der Kommunen im Ruhrgebiet sowie für mehr Unterstützung durch Bund und Land ein. Es geht darum, dass finanzielle Mittel dorthin fließen, wo Sie gebraucht werden und nicht mehr nach Himmelsrichtung, zumeist in den Osten der Republik, verteilt werden.

Gibt es dabei schon Erfolge?

tsalastras6Ja. Der Stärkungspakt des Landes, die Investitionsmittel des Bundes und Entlastungen bei Sozialleistungen sind wichtige Erfolge unserer Gespräche und unserer Proteste. Und wir erhalten für Oberhausen nun auch endlich wieder Fördermittel für wichtige Projekte, wie etwa die Entwicklung der Stadtteile.

Das war nicht immer so?

Nein. Erst weil es mir in den letzten Jahren gelungen ist, unseren Haushalt in Ordnung zu bringen, so dass er zum vierten Mal in Folge von der Bezirksregierung genehmigt wurde, bekommt Oberhausen wieder den Zugang zu lukrativen Förderprogrammen. Wir dürfen wieder den städtischen Eigenanteil bei Förderprogrammen leisten und können so auch wieder eigenständige Entscheidungen treffen.

Wofür wird finanzielle Unterstützung zurzeit am Dringendsten benötigt?

Bei der Unterbringung von Flücht­lingen. Wir müssen den Men­schen, die vor Krieg und Not aus ihrer Heimat fliehen, eine menschenwürdige Unterbringung und eine Perspektive geben. Besonders Sprachförderung und Angebote für Kinder sind wichtig. Dies können die Städte, auch Oberhausen, nicht alleine bewältigen. Deshalb müssen Land und Bund hier mehr tun.

Die hohe Zahl von Flüchtlingen ist für Oberhausen eine große Herausforderung …

… die wir nur gemeinsam bestehen können. Und deshalb bedanke ich mich ausdrücklich bei den vielen Oberhausenerinnen und Oberhausenern, die Flüchtlinge engagiert unterstützen. Ohne diese Ehrenamtlichen wäre diese Aufgabe von der Stadt nicht zu bewältigen.

Sie sind von der SPD nominiert worden, erfahren aber auch Unterstützung darüber hinaus. Wie wichtig ist Ihnen das?

Nach der SPD haben mich auch die GRÜNEN und die FDP zu ihrem Kandidaten gemacht, was mir sehr wichtig ist. Von besonderer Bedeutung ist für mich aber auch die Unterstützung aus vielen anderen Bereichen, zum Beispiel aus Sport, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft. Es ist wichtig, dass ein Oberbürgermeister Zustimmung auch außerhalb der Politik findet.

tsalastras7Man sieht Sie sehr häufig, wenn in Oberhausen was los ist: Fußball, Karneval, Kulturveranstaltungen. Wie machen Sie das?

Dies ist doch selbstverständlich. Wer Verantwortung für unsere Stadt trägt, muss auch da sein, wo man die Menschen trifft. Schließlich sind das direkte Gespräch, das Zuhören und der Austausch von Ideen die wichtigste Grundlage für meine Arbeit. Und außerdem macht es mir viel Spaß in unserer Stadt unterwegs zu sein.

Wenn man so viel unterwegs ist, hat man da noch Zeit für Hobbys?

Leider zu wenig. Ich spiele viel zu selten Badminton, nehme mir so oft wie möglich Zeit für RWO, höre gerne Rockmusik und koche besonders gerne mit meiner Frau. Außerdem versuche ich so viel wie möglich Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

aus: Der Oberhausener – Stadtspiegel für Alt-Oberhausen · Osterfeld · Sterkrade August 2015

(Fotos: Axel Scherer)